„The Promise of Artificial Intelligence – Reckoning and Judgement“

Brian C. Smith – 2019
In diesem provokativen Buch argumentiert Brian Cantwell Smith, dass die künstliche Intelligenz noch lange nicht in der Lage ist, wirklich intelligente Systeme zu entwickeln. Weder die KI der „zweiten Welle“, das maschinelle Lernen, noch die Visionen einer „dritten Welle“ von KI werden zu einer Intelligenz und Urteilskraft auf menschlichem Niveau führen – Fähigkeiten, die sich über Jahrtausende hinweg entwickelt haben. Auch wenn die jüngsten Fortschritte in der KI von epochaler Bedeutung sein mögen, gehört die menschliche

Intelligenz doch einer völlig anderen Kategorie an als selbst die leistungsfähigste rechnergestützte Fähigkeit, die durch moderne Rechentechnologien ermöglicht wird. Smith nennt diese Fähigkeit der KI „reckoning“ – also Kalkulation oder Berechnung – und argumentiert, dass sie nicht zu vollwertigem menschlichem Urteilsvermögen führt: zu einer nüchternen, abwägenden Denkweise, die in ethischer Verpflichtung und verantwortlichem Handeln verwurzelt ist. Indem er das Urteilsvermögen als das eigentliche Ziel von Intelligenz betrachtet, untersucht Smith die Geschichte der KI von ihren Ursprüngen in der ersten Welle („gute alte KI“, auch GOFAI genannt) bis hin zu prominenten Ansätzen der zweiten Welle wie dem maschinellen Lernen. Dabei widmet er den jüngsten Entwicklungen besondere Aufmerksamkeit – jenen Fortschritten, die derzeit für Aufregung, Sorge und öffentliche Debatten sorgen. Smith analysiert die jeweiligen Grundannahmen der Technologien, die darin angelegten Vorstellungen von Intelligenz und die bisherigen Erfolge. Er beleuchtet dabei auch den Begriff der Intelligenz selbst – welche Art von Intelligenz Menschen besitzen und welche Art die KI überhaupt anstrebt. Smith äußert die Sorge, dass wir, beeindruckt von der Rechenleistung der KI, unsere Erwartungen an menschliche Intelligenz verschieben könnten. Stattdessen, so sein Plädoyer, sollten wir lernen, KI für genau jene rechnerischen Aufgaben zu nutzen, in denen sie glänzt – und gleichzeitig unsere Verpflichtung zu menschlichem Urteilsvermögen, zu Ethik und zur Verantwortung gegenüber der Welt stärken.